Eine deutsche Antwort auf den Vertrag von Versailles (1919)

Eine deutsche Antwort auf den Vertrag von Versailles, die von Delegierten der Pariser Friedenskonferenz im Mai 1919 eingereicht wurde:

Wir kamen nach Versailles in der Erwartung, einen Friedensvorschlag zu erhalten, der auf den vereinbarten Grundsätzen basiert. Wir waren fest entschlossen, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die schwerwiegenden Verpflichtungen zu erfüllen, die wir eingegangen waren. Wir hofften auf den Frieden der Gerechtigkeit, der uns versprochen worden war. Wir waren entsetzt, als wir in Dokumenten die Forderungen an uns lasen, die siegreiche Gewalt unserer Feinde. Je tiefer wir in den Geist dieses Vertrags eindringen, desto mehr werden wir von der Unmöglichkeit überzeugt, ihn auszuführen. Die Anforderungen dieses Vertrags sind mehr als das deutsche Volk ertragen kann ...

Obwohl ausdrücklich auf die Kosten des Krieges verzichtet wurde, muss sich Deutschland, das in Stücke gerissen und geschwächt ist, grundsätzlich bereit erklären, alle Kriegskosten seiner Feinde zu tragen, die ein Vielfaches des Gesamtbetrags von übersteigen würden Deutsches Staats- und Privatvermögen. In der Zwischenzeit fordern ihre Feinde über die vereinbarten Bedingungen hinaus eine Entschädigung für den Schaden ihrer Zivilbevölkerung, und in diesem Zusammenhang muss Deutschland auch für seine Verbündeten auf Kaution gehen. Die zu zahlende Summe muss von unseren Feinden einseitig festgelegt werden und nachträgliche Änderungen und Erhöhungen zugeben…

Trotz der exorbitanten Forderungen wird gleichzeitig die Rekonstruktion unseres Wirtschaftslebens unmöglich gemacht. Wir müssen unsere Handelsflotte abgeben. Wir müssen auf alle ausländischen Wertpapiere verzichten. Wir sollen unseren Feinden unser Eigentum in allen deutschen Unternehmen im Ausland, auch in den Ländern unserer Verbündeten, übergeben. Auch nach Friedensschluss haben die feindlichen Staaten das Recht, sämtliches deutsches Eigentum zu beschlagnahmen. Kein deutscher Händler in seinem Land wird vor diesen Kriegsmaßnahmen geschützt. Wir müssen vollständig auf unsere Kolonien verzichten, und nicht einmal deutsche Missionare werden das Recht haben, ihrer Berufung darin zu folgen.

Wir müssen daher auf die Verwirklichung aller unserer Ziele in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Ideen verzichten. Auch in inneren Angelegenheiten sollen wir das Recht auf Selbstbestimmung aufgeben. Die internationale Reparationskommission erhält diktatorische Befugnisse über das gesamte Leben unseres Volkes in wirtschaftlichen und kulturellen Angelegenheiten. Ihre Autorität geht weit über das hinaus, was das Reich, der Bundesrat und der Reichstag zusammen jemals auf dem Gebiet des Reiches besaßen.

Diese Kommission hat uneingeschränkte Kontrolle über das Wirtschaftsleben des Staates, der Gemeinschaften und des Einzelnen. Darüber hinaus hängt das gesamte Bildungs- und Sanitärsystem davon ab. Es kann das ganze deutsche Volk in geistiger Thraldom halten. Um die fälligen Zahlungen zu erhöhen, kann die Kommission Maßnahmen zum sozialen Schutz der deutschen Arbeitnehmer behindern.

In anderen Bereichen wird auch die Souveränität Deutschlands abgeschafft. Ihre Hauptwasserstraßen unterliegen der internationalen Verwaltung; sie muss in ihrem Gebiet solche Kanäle und Eisenbahnen bauen, wie es ihre Feinde wünschen; Sie muss Verträgen zustimmen, deren Inhalt ihr unbekannt ist und die von ihren Feinden mit den neuen Staaten im Osten geschlossen werden, auch wenn sie ihre eigenen Funktionen betreffen. Das deutsche Volk ist vom Völkerbund ausgeschlossen, dem alle Arbeiten von gemeinsamem Interesse der Welt anvertraut sind. So muss ein ganzes Volk das Dekret für sein Verbot, nein, sein eigenes Todesurteil unterzeichnen ...

Deutschland hat den vorgelegten Vertrag zu unterzeichnen und auszuführen. Selbst in ihrer Not ist Gerechtigkeit für sie zu heilig, als dass sie sich bücken könnte, um Bedingungen zu erreichen, die sie nicht erfüllen kann. Von den Großmächten unterzeichnete Friedensverträge haben zwar in der Geschichte der letzten Jahrzehnte immer wieder das Recht der Stärkeren proklamiert. Aber jeder dieser Friedensverträge war ein Faktor für die Entstehung und Verlängerung des Weltkrieges. Wann immer in diesem Krieg der Sieger mit den Besiegten in Brest-Litowsk und Bukarest gesprochen hat, waren seine Worte nur die Keime zukünftiger Zwietracht…

Nur die Zusammenarbeit aller Nationen, eine Zusammenarbeit von Händen und Geistern, kann einen dauerhaften Frieden schaffen. Wir machen uns keine Illusionen über die Stärke des Hasses und der Bitterkeit, die dieser Krieg hervorgerufen hat, und dennoch sind die Kräfte, die für eine Vereinigung der Menschheit am Werk sind, jetzt stärker als je zuvor. Die historische Aufgabe der Friedenskonferenz von Versailles ist es, diese Vereinigung herbeizuführen.